Schallübertragung
Schallübertragung
Schall kann über alle Arten von Stoffen übertragen werden. Grundsätzlich kann man die Übertragung nur mindern, bis diese nicht mehr hör-, fühl- oder messbar ist.
Üblicherweise wird bei der Betrachtung in der Hauptsache zwischen dem Luft- und dem Körperschall unterschieden, wobei der Übergang von der einen in die andere Art stets möglich ist. Die Stärke des Übergangs und die dabei übertragenen Frequenzen hängen hauptsächlich von den jeweiligen Medien, Ihrer Ankopplung und ihrer Ausrichtung und Oberflächenbeschaffenheit ab.
So wird beider Übertragung des Luftschalls in den Körperschall der obere Frequenzbereich in der Regel nicht übertragen sondern absorbiert oder reflektiert. Wird der Körperschall dann wieder in Luftschall umgewandelt, so sind darin nur noch die tiefen Frequenzen enthalten.
Direkt am Ohr kann Schall durch ein um 180 ° phasenverschobenes Geräusch in gleicher Lautstärke nahezu gelöscht werden. Dies macht man sich beispielsweise in den Kopfhörern zunutze, welche Beschäftigte auf dem Rollfeld der Flughäfen tragen. Bildlich gesprochen, erzeugen diese Kopfhörer ein "Gegengebrüll" gegen den Schall der Triebwerke, so dass dieser fast nicht mehr wahrnehmbar ist. Dieses ist aber nur durch Kopfhörer direkt am Ohr möglich. Getrennt davon betrachten muss man dabei den Körperschall, der sich mit solchen Mitteln nicht löschen lässt. Auch können diese Kopfhörer nur das Risiko von Gehörschäden deutlich mindern, aber den Stress, den diese Luftdruckveränderungen auf den gesamten Körper übertragen nicht.
Innerhalb und außerhalb geschlossener Gebäude auftretender Schall lässt sich nachträglich oft gar nicht oder nur mit hohem Aufwand mindern. Gegen den Luftschall von außen, helfen teure Schallschutzfenster, welche aber nur dann eine ausreichende Hilfe sind, wenn diese geschlossen bleiben. Gegen den Körperschall durch rumpelnde Straßenbahnen würde eine Entkopplung des Bauwerks helfen, was praktisch unmöglich ist. Gegen den Trittschall, der insbesondere über alte Holzbalkendecken übertragen wird, würde der Austausch der gesamten Deckenkonstruktion helfen, was praktisch zwar möglich, aber mit erheblichen Kosten verbunden wäre.
Im Übrigen nimmt die Hörfähigkeit bei den meisten Menschen im oberen Frequenzbereich mit dem Alterungsprozess ab, wodurch tiefe Frequenzen deutlich stärker und damit lästiger wahrgenommen werden. Wissenschaftlich gesichert ist zwischenzeitlich, dass unser Hörempfinden bereits ab 7 Hz startet. Wobei dieser Anteil des Schalls über den gesamten Körper (Haut, Schädelknochen, Fußsohlen, Rückgrat) und nicht über die Ohren detektiert wird.
In vielen Fällen reicht es, im Bereich des Hörschalles, der üblicherweise von 16 - 20.000 Hz* angegeben wird, durch Reflektionsminderungen und / oder schallschluckende und / oder schallstreuende Materialien vorzugehen. So können dicke Textilien (Bodebeläge, dicke Vorhänge, Polstersessel etc.), schallschluckende Wandbeläge, offene Regale (statt geschlossener Schränke) mit darin schräggestelltem "Nippes" und vieles mehr für eine angenehmere Atmosphäre sorgen
Ernste und schwer zu lösende Probleme machen oftmals Änderungen an und in der Gebäudesubstanz:
- Wasserschäden, welche die Estrichdämmschicht durchnässt haben, können, abhängig vom Dämmmaterial für eine stärkere Schallübertragung sorgen.
- Estriche, welche bündig an die Wand gegossen wurden überbrücken den Schallschutz durch die Trittschalldämmung.
- Ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS) im Umfeld des Hauses kann die Schallreflektion verstärken.
- Falsch ausgeführte oder defekte Anbringungen von Rohren können zu Schallübertragungen führen
- Falsch aufgestellte und nicht richtig entkoppelte Wärme- oder Kälteerzeuger (Wärmepumpfen, Klimaanlagen) können sowohl über die Luft als auch über den Boden zu enormen Belästigungen führen.
- Lüfter können eine Unwucht bekommen und / oder durch Verschmutzungen für unangenehme Geräusche sorgen
- Defekte Umwälzpumpen oder auch ein zu niedriger Wasserdruck kann in den Rohrleitungen zu starken Belästigungen führen.
- Alte Kühlschränke (auch in Nachbarwohnungen) können für starke Belästigungen sorgen
- etc.
Die nachfolgende Grafik zeigt die üblichen Übertragungswege innerhalb eines Gebäudes auf. Was darin, aus Gründen der Übersichtlichkeit nicht aufgezeigt wird, sind beispielsweise Übertragungen durch Rohrsysteme, welche von außen in das Haus gelangen oder innerhalb des Hauses verlegt wurden.
