Desinfektion

Desinfektion bei Schimmelschaden

Das Thema Desinfektion bei Schimmelschäden wird in Fachkreisen seit langem kontrovers diskutiert. Oftmals wird die Thematik dabei sehr einseitig betrachtet und es werden Verallgemeinerungen als Bewertungsgrundlage herangezogen.

Grundsätzlich ist die Entfernung des Befalls und die gründliche Feinreinigung die wichtigste Maßnahme bei einer Sanierung, da schon ein Gramm Staub mehr als eine Million Schimmelpilzsporen enthalten kann. Nicht immer ist es aber möglich mit dieser Maßnahme in alle Winkel und Ritzen vorzudringen. Dann bietet sich als zusätzliche(!) Maßnahme die Desinfektion an. Auf keinen Fall darf dies dazu führen, dass auf das Entfernen der Biomasse verzichtet und die Reinigung nur schlampig durchgeführt wird, da auch tote Sporen noch ein allergenes und toxisches Potential haben können.

Bei der Desinfektion ist darauf zu achten, dass diese fachgerecht durchgeführt wird. Sowohl die Auswahl des Mittels, als auch die Ausbringung und die Einhaltung notwendiger Standzeiten sind für den Erfolg entscheidend. Auch übersteigen die unerwünschten Nebenwirkungen (Belastung der Luft durch giftige Dämpfe, etc.) oft die mögliche Belastung des Raumes durch die Toxine des Schimmelpilzes.

Desinfektionsverfahren

Physikalisch:

Verbrennen, Ausglühen, Abflämmen

Hohe Brandgefahr. Nur von erfahrenen Fachfirmen in Sonderfällen durchführbar.

 

Kochen, Mikrowellenerhitzung, Dampfreinigen

Diese Verfahren wirken grundsätzlich zuverlässig, wenn sie fachkundig ausgeführt werden. Entscheidend ist das Erreichen der höchstmöglichen Temperatur, die vollständige Erhitzung und die Dauer der Anwendung. Bei der Dampfreinigung ist Vorsicht geboten, da die Temperatur der Dampfstrahles zu den Rändern hin rasch abnimmt und oft weder die notwendige Hitze für die Abtötung noch die Anwendungsdauer ausreicht.

 

UV-Bestrahlung

Nur kleinflächig und nur in geschlossenen Systemen zu verwenden.

 

Filtration

H-Klasse-Staubsauger und Hepa-Filter der Klasse H12 - H14 filtern die angesaugte Luft zuverlässig. Bei der Verwendung eines H-Klasse-Staubsaugers muss immer gleichzeitig auch ein Hepa-Filter betrieben werden, damit die Sporen, welche nicht eingesaugt aber aufwirbelt werden, möglichst vollständig aus der Luft filtriert werden.

Chemisch:

Gase

Ozon, Chlor

Flüssigkeiten

Formaldehyd, Alkohole, Aldehyde, Quarternäre Ammoniumverbindungen

Aerosole

H2O2 (Wasserstoffperoxid), Persäuren

Lösungen

Phenole, Metalle

Bei den chemischen Verfahren besteht grundsätzlich die Gefahr, dass die für eine Wirkung notwendigen Konzentrationen durch Verdünnung (Luft- und Materialfeuchtigkeit, Undichtigkeiten in der Gebäudehülle) nicht erreicht werden. Außerdem können sich Substanzen bilden, die noch lange in der Raumluft verbleiben und gesundheitlich belastend sind.

Schimmelbekämpfungsmittel im Vergleich

Wirkstoff

Besonderes

Fungizide Wirkung

Vorteil

Nachteil

(Per-)Säuren
(Essigsäure, C2H4O3)

Putzessig, Essigreiniger

+++

in geringen Dosen ungiftig

wird rasch neutralisiert, korrosiv, organische Stoffe wirken als Nährboden. Säuren neutralisieren Basen, die schimmelhemmend wirken

Chlor-/Produkte
(Cl, NaClO, ClO2, Javel, Aktivchlor)

Hauptwirkstoff vieler handelsüblicher Schimmelbekämpfungsmittel

+++

günstiger Preis

stark giftig, reizend, geruchsbelastend, karzinogen (Trihalomethane)

NH4OH
(Salmiakgeistlösung)

"Hausmittel" - nur mäßige Desinfektionswirkung

+

-

stark reizend (Augen, Schleimhäute), unangenehmer Geruch

QAV's
(Benzyl-C12-16-Alkyldimethyl-Chlorid, Benzalkoniumchlorid)

stark wassergefährdend, Fischgift, Hauptwirkstoff vieler handelsüblicher Schimmelbekämpfungsmittel

(S)

keine Gasbildung

hautreizend, sensibilisierend, überlebende Pilze verlieren ihre Nahrungskonkurrenz

organische Aromaten
(Phenole, Isothiazolione, S/N/O-Herterozyklen, PAK)

Wirkstoff in vielen Farben mit fungizider Ausrüstung

+

Langzeitwirkung solange Wirkstoff vorhanden

Wirkstoff ist abbaubar, gesundheitlich bedenklich, mutagen, karzinogen, sensibilisierend

Basen/Laugen
(Natron, K2CO3, Silikate, TiO2)

wird im professionellen Bereich eingesetzt

+++

Preisgünstig, bildet keine giftigen Gase

stark reizend (Haut, Schleimhäute, irreversible Augenschäden), korrosiv, Salzausblühungen möglich

Alkohole
(Isopropanolalkohol 80%, Medizinalkohol)

mit Salicylsäure verstärkt wirksam

+

ungiftig, gute Eindringtiefe, hohe Flüchtigkeit

nur kleinflächig anwendbar, Brand- und Explosionsgefahr, kein Langzeiteffekt, bei intensiver Anwendung Gefahr durch Trunkenheit durch Inhalation

H2O2
(Wasserstoffperoxid)

katalytisch verstärkt und stabilisiert

+++

keine giftigen Dämpfe, Langzeiteffekt

Bleichwirkung

Tabelle angelehnt an Dott 2010

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