Holzzerstörende Pilze

Holzzerstörene Pilze

Wenn es um Pilze geht, dann denken die meisten Menschen entweder an den Wald oder an gutes Essen. Im Herbst ist Pilzsaison, unzählige Arten von Pilzen sprießen aus dem Boden, und die essbaren warten darauf geerntet zu werden. Edelschimmel-Käse sind ein Genuss, und ein gut gemachtes Steinpilzrisotto die absolute Krönung.

Wenn Menschen ein Zuhause für sich erschaffen, sind Pilze wahrscheinlich das Letzte, woran sie dabei denken. Und doch wachsen und gedeihen sie in vielen Gebäuden, meist lange unbemerkt, bis sie für das geliebte Zuhause zu einem echten Problem und nicht selten sogar zu einer ernsthaften Gefahr werden.

Das Bauen mit Holz hat in den letzten Jahrzehnten immer mehr Anhänger gefunden. Vom wohngesunden Raumklima bis zum ökologischen Fußabdruck. Es gibt viele gute Gründe mit Holz zu bauen. Doch Holz ist ein Naturprodukt und unterliegt dem Stoffkreislauf, das heißt bei falscher Verarbeitung, falscher Verwendung und schlechter Pflege ist Holz ein vergängliches Gut.

Holzzerstörende Pilze machen sich diese Tatsache zunutze. Pilze gehören, biologisch gesehen, weder zu den Pflanzen noch zu den Tieren, sie bilden vielmehr eine ganz eigene Spezies. Ein entscheidendes Merkmal hierbei ist das Fehlen des grünen Blattfarbstoffes Chlorophyll. Pilze können kein organisches Material durch Photosynthese herstellen, sondern sind als heterotrophe Organismen auf die von Pflanzen erzeugte Biomasse angewiesen, am Beispiel von Gebäuden wäre das das Holz.

Holzzerstörende, auch Hausfäulepilze genannt, bestehen aus verschiedenen Geflechten: Mycelien, Fruchtkörpern und Strängen. Meist denken wir beim Pilz nur an den sichtbaren Teil, den Fruchtkörper, aber er ist in Gebäuden lediglich ein Indiz dafür, das ein aktiver, vitaler Befall vorliegt. Der andere Teil des Pilzes lebt oft im Verborgenen, in der Holzkonstruktion von Gebäuden, oder in anderen Baumaterialien. Dieser verborgene Teil sind die Mycelien und Stränge, im Holz werden diese Substratmycel genannt. Der Pilz bildet also verschiedene Organe aus, die unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Das Substratmycel befindet sich im Holz, es ist ein mikroskopisch kleines Geflecht, das den Pilz im Holz verankert, und ihn mit Nährstoffen versorgt, die aus dem Abbau des Holzes stammen. Doch auch an der Oberfläche gibt es Mycelien. Diese übernehmen die Aufgabe, neue Hölzer zu „suchen“ und sie schützen außerdem die Stränge, die mit den Mycelien zusammen die Nährstoffe aus dem Holzabbau zu den Fruchtkörpern und der Ausbreitungsgrenze transportieren, um dort neue Hölzer befallen zu können.

In den Fruchtkörpern hingegen bildet der Pilz seine Sporen, um sich fortzupflanzen und widrige Bedingungen überdauern zu können. Diese Sporen sind überall um uns herum, mikroskopisch klein, und damit so leicht, dass der Wind sie praktisch überallhin transportieren kann. Wenn die Sporen dann auf einem Holz gelandet sind, benötigen sie nur noch einen dauerhaften Feuchtegehalt von 30 – 60 %, um wachsen und leben zu können.

Genau an diesem Punkt hat der Baustoff Holz seine große Schwachstelle. Wird beim Bau eines Hauses alles richtig gemacht, und wird das Gebäude regelmäßig überwacht und gepflegt, kann Holz als Baustoff sogar mehrere Jahrhunderte überdauern, man denke nur an so manches Fachwerkhaus. Werden Schäden, z.B. in der Gebäudeabdichtung nicht frühzeitig erkannt und dringt über einen längeren Zeitraum Feuchtigkeit in die Holzkonstruktion ein, bilden diese Bereiche einen idealen Nährboden für Hausfäulepilze.

Zu den bekanntesten und am häufigsten vorkommenden Vertretern ihrer Art zählen dabei der braune Kellerschwamm, der weiße Porenschwamm, die Moderfäule und der echte Hausschwamm.

Wird Holz vom braunen Kellerschwamm befallen baut dieser die im Holz enthaltene Cellulose, die Hemicellulose (Kohlehydrate des Holzes) und dessen Pektine ab. Mit dem Abbau dieser Bestandteile verliert das Bauteil schnell seine mechanischen Eigenschaften, wie Druck- bzw. Zugfähigkeit noch bevor ein intensiverer Masseverlust eingesetzt hat. Das befallene Holz trocknet meist in axialer Richtung aus, was zum typischen Erscheinungsbild des sogenannten Würfelbruchs führt, man spricht dann von Braunfäule. Im Endstadium des Abbaus bleibt oft nur eine braune Masse mit hohem Lignin Gehalt übrig, die bei leichtem Druck zu Puder zerfällt.

Weißfäulepilze haben an Hölzern, die direkt der Witterung ausgesetzt sind, eine größere Bedeutung, mit drei Ausnahmen.; dem Ausgebreiteten Hausporling, dem Ockerfarbenen Sternsetenpilz und dem Großporigen Feuerschwamm, die regelmäßig in Gebäuden nachgewiesen werden können. Weißfäulepilze bauen neben Cellulose, Hemicellulose, und Pektin auch noch Lignin (Holzstoff) ab. Dabei bleiben die mechanischen Eigenschaften des Holzes länger erhalten als bei einem Braunfäule-Befall. Das befallene Holz wird faserig, weich und im weiteren Verlauf meist heller. Eine Rissbildung quer zur Faser wie bei der Braunfäule entsteht hier nicht.

Moderfäulepilze werden durch das Wachstum von Ascomyceten und niedrigen Pilzen verursacht. Die Oberfläche des befallenen Holzes wird weich und feucht-schmierig, daher leitet sich der Begriff Moderfäule ab. Diese Fäule tritt an sehr nassen Hölzern aller Art auf, es sind über 100 Holzarten bekannt, die durch die Moderfäule abgebaut werden können, resistente Holzarten sind bekannt. In Gebäuden sind sie jedoch, im Vergleich zu Hausfäulepilzen eher unbedeutend, da sie meist geringere Schäden anrichten und oft zusammen mit Hausfäulepilzen auftreten welche dann den Sanierungsaufwand vorgeben. Typische Befallsorte für die Moderfäule sind: Dauerhaft nasse Balkenköpfe, Spanplatten Mauerhölzer, Fachwerkschwellen und Lagerhölzer. Das befallene Holz zeigt oft einen braunfäuleähnlichen Würfelbruch, es ist dabei jedoch eher grau.

Ein besonderer Hausfäulepilz ist der echte Hausschwamm. Ihm ist es möglich sogar zur Feuchtigkeit hinzuwachsen. Er ist dabei in der Lage mit seinem Mycel eine Entfernung von mehreren Metern zu überbrücken, um an ausreichend Feuchtigkeit zum Existieren zu gelangen, auch wenn die Feuchtigkeit am eigentlichen Befallsort unter der Fasersättigung liegt. Auch kann eine lange Zeit in der sogenannten Trockenstarre, ganz ohne Feuchtigkeit verharren. Er durchwächst sogar Mauerwerke und stellt so auch für direkt angrenzende Gebäude eine ernstzunehmende Gefahr dar.

Da bei allen Pilzarten, die in Gebäuden vorkommen das Mycel an der Ausbreitungsgrenze mitunter spinnenfein und kaum noch mit bloßem Auge zu erkennen ist, muss bei der Sanierung befallener Holzbauteile immer ein ausreichender Sicherheitszuschlag bedacht werden, um einen weiteren Befall neuer Bauteile zu verhindern.

Man sollte also schon in der Planung eines Hauses allergrößte Sorgfalt, was den Schutz von Holzbauteilen angeht, walten lassen. Doch auch nach dem Bau sind regelmäßige Überprüfungen der angreifbaren Bauteile unerlässlich denn: Pilze gehören in den Wald und auf den Teller und nicht ins eigene Zuhause.

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